Das Bergische Institut für Produktentwicklung und Innovationsmanagement im ehemaligen Hauptbahnhof hat einen neuen Fördervereinsvorsitzenden. Weil der frühere Zwilling-Vorstand Johannes Beelen aus gesundheitlichen Gründen zurückstecken musste, hat Prof. Dr. Thomas Müller-Kirschbaum (50) das Amt übernommen.
Der Solinger leitet im Henkel-Konzern die Forschung, Entwicklung und Produktion in der Wasch- und Reinigungsmittelsparte, ist dort für vier Milliarden Euro Jahresumsatz verantwortlich. Als Honorarprofessor der Hochschule Niederrhein lehrt er Produkt- und Innovationsmanagement.
„Das Bergische Institut ist Zeugnis der Innovationskraft unserer Region“, lobt der Spitzenmanager. Von der Einrichtung - 2004 als An-Institut der Wuppertaler Universität gegründet - sollen Impulse für den Strukturwandel im Bergischen ausgehen, betont Müller-Kirschbaum: einer Region, in der immer mehr Industriearbeitsplätze wegbrechen und ein Mangel an Hochqualifizierten-Jobs herrscht.
Beckmann kritisiert Konkurrenz für Ergonomie-Labor
Mit Henkel betreibt das Institut schon das dritte Forschungsprojekt. „Dabei geht es zum Beispiel um die Gestaltung von Verpackungen oder die Handhabung von Sprühflaschen-Pumpen“, erläutert Müller-Kirschbaum. Die Erkenntnisse aus Solingen fließen in die Henkel-Produktentwicklung ein.
Dem Institut wünscht der Manager mehr Projekte dieser Art, um in der Wirtschaft bekannter zu werden. „Das können auch Drittmittelaufträge sein“, sagt Müller-Kirschbaum. Gerade Mittelständlern stünden viele Fördertöpfe zur Verfügung: Das Institut unter Geschäftsführer Ralf Aßmann („eine echte Stütze“) könne den Firmen mit seiner Erfahrung bei der Antragstellung helfen.
Für das gemeinsam mit der Uni angeschobene Projekt „Innointegral“ (siehe oben) hofft Aßmann nach vielen Mühen auf 750 000 Euro aus dem Ziel-2-Topf der EU. „Nach einem positiven Signal der Bezirksregierung rechne ich im November mit dem Projektstart“, sagt der Diplomingenieur. Dann würden 5,5 Mitarbeiterstellen geschaffen und Geräte für das geplante Ergonomie-Labor gekauft. Die Projektsumme beträgt 1,1 Millionen Euro; Eigenanteile steuern unter anderen die Bergische Entwicklungsagentur (150 000 Euro) und die Wirtschaftsförderung (40 000) bei.
Für das Instituts-Labor bahnt sich Konkurrenz an. Die Firma Planbau Schwaben will im Walder Rathaus ein „Virtual Engineering Center“ einrichten, in dem Produkte dreidimensional visualisiert werden können (ST berichtete). Für Jens-Heinrich Beckmann ist der Verkauf der Stadt-Immobilie kurzsichtig: „So beschädigt man ein Alleinstellungsmerkmal des Instituts, das es ohnehin nicht leicht hat“, kritisiert der Geschäftsführer des Industrieverbands Schneid- und Haushaltwaren. Dieser ist ein Gesellschafter des Instituts.
Der neue Fördervereinsvorsitzende sieht das anders. „Eine Business-Ansiedlung sollte man nie unterbinden“, sagt Prof. Dr. Müller-Kirschbaum. Und: Wettbewerb fördere Innovation. Mit einem privaten Anbieter für virtuelle Produktentwicklung sei eine fruchtbare Zusammenarbeit denkbar.
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